Im Kühlregal von Einkaufsmärkten sieht man häufig Packungen mit Sprossen. Das sind die frisch gekeimten Samen von Pflanzen, insbesondere von Getreide, Hülsenfrüchten und Kresse. Bekannt sind die Keimlinge von Mungobohnen oder Radieschen, häufig auch Alfalfa-Sprossen oder Linsensprossen, Erbsenkeimlinge und vieles mehr.

Ich kannte Sprossen früher nur vom asiatischen Restaurant, bei dem zwischen Nudeln und Gemüse oft gebratene Sojasprossen zu finden waren. Heute verwende ich die frischen Keimlinge sehr gerne für alle möglichen Gerichte und gebe einfach eine Handvoll über den Salat, die Suppe oder mische sie unter das gedünstete Gemüse, streue Kresse aufs Brot oder knabbere die kleinen Kraftpakete einfach so.

Frische Sprossen sind wahre Vitalstoff-Bomben.

Während der Auskeimung vom Samen zur Sprosse erhöht sich der Gehalt an Nährstoffen deutlich. In jedem Keimling stecken die gesamten Vitalstoffe, die die ganze Pflanze benötigt. Sie enthalten bioverfügbare Vitamine, vor allem die B-Vitamine, A, C und E,  Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe sowie leicht verdauliche Ballaststoffe und gut verfügbares Eiweiß.

Die Enzyme von Sprossen unterstützen die Stoffwechselvorgänge in unserem Körper, ob Verdauung, Vitalstoff-Aufnahme oder Zellreparatur uvm.

Ein Salat aus verschiedenen Sprossen enthält – verglichen mit einem herkömmlichen Salat aus beispielsweise Kopfsalat – fünfmal mehr Proteine, sechsmal mehr Vitamin C und siebenmal mehr Vitamine des B-Komplexes!

Kresse:

Kresse ist sehr einfach selbst zu ziehen und wird roh verzehrt. Dazu benötigt man lediglich eine Schale mit nassem Küchenkrepp, auf die man die Kresse-Samen streut und immer feucht hält. Nach 4-6 Tagen kann man die Kresse ernten.

Kresse schmeckt leicht scharf und würzig und gibt vielen Speisen eine besondere Geschmacksnote. Sie gilt schon früh im Ayurveda als Heilmittel und hat einen guten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel, das Herz-Kreislauf-System und die Verdauung. Zudem wirkt sie antibakteriell und wird unterstützend bei Erkältungen oder Magenverstimmungen eingesetzt.

Alfalfa-Sprossen:

Die Sprossen der Luzerne (Alfalfa) enthalten, wie die Karotte, nennenswerte Mengen Diosgenin, einem Phytohormon. Dieses kann Frauen helfen, ihren Hormonhaushalt auszugleichen, wenn sie beispielsweise in die Wechseljahre kommen.

Alfalfa-Sprossen haben außerdem relativ wenig Kalorien und einen hohen Proteingehalt. Dadurch sind sie optimale Nahrungsmittel zum Abnehmen.

Brokkoli-Sprossen:

Die kleinen Sprossen des Brokkoli sind bekannt für ihre krebshemmende Wirkung. Der enthaltene Stoff Sulforaphan wurde von Krebsforscher der Universität Heidelberg  an Hühnereiern getestet. Es konnte nachgewiesen werden, dass Sulphoraphan das Krebswachstum schwächt und Tumorstammzellen angreift. So kann die Chemotherapie bei aggressiven Tumoren unterstützt werden.

Mungobohnen-Keimlinge:

Diese Sprossen kennt man hauptsächlich aus der asiatischen Küche in Wik-Gerichten. Häufig werden sie als Sojasprossen bezeichnet, sind jedoch aus der Mungobohne gekeimt. Im Gegensatz zu Sojasprossen, die dringend gegart werden müssen, lassen sich Mungobohnen-Keimlinge auch roh verzehren.

Der Geschmack ist frisch und süßlich, wird mit längerer Keimdauer jedoch schärfer.

Radieschen-Sprossen:

Sie schmecken würzig bis scharf eignen sich als Würze in Salaten, Dips und Brotaufstrichen ideal. Auch in Suppen oder Pfannengerichten geben Sie ein besonderes Aroma.

Radieschen-Sprossen befreien die Atemwege, fördern die Verdauung und regen den Stoffwechsel an.

Linsensprossen:

Linsensprossen lassen sich roh verzehren und enthalten viele Proteine und sind damit nahrhaft und kraftspendend. Zum Keimen eignen sich Grüne Linsen, Beluga Linsen oder braune Teller Linsen. Geschälte Sorten, wie gelbe oder rote Linsen, lassen sich leider nicht keimen.

Roh oder gekocht:

Die meisten Sprossen kann man roh verzehren, wodurch auch der komplette Vitalstoffgehalt erhalten bleibt. Vor dem Verzehr unbedingt erhitzt werden müssen Keimlinge von Hülsenfrüchten, um gesundheitsschädigende Hämagglutinine und Enzym-Inhibitoren abzubauen. Eine Ausnahme bilden hier Linsen, Mungobohnen und Alfalfa (Luzerne), die roh gegessen werden können. Für immunschwache Menschen ist es dennoch ratsam, Keimlinge und Sprossen generell vor dem Genuss kurz zu blanchieren (mindestens 30 Sekunden in der doppelten Menge Wasser), anzubraten oder zu dünsten.

 

Keimling und Sprosse – der Unterschied

  • Unter „Keimling“ versteht man die junge Pflanze, die sich aus dem Samen entwickelt. Sie besteht aus dem Spross und teilweise ersten Ansätzen von Wurzeln und Blättern.
  • Der Spross ist –vereinfacht gesagt – der oberirdisch wachsende Teil der Pflanze. Mit dem in der Kulinarik verwendeten Begriff „Sprossen“ ist also meist ein Keimling gemeint, der in feuchtem Milieu ohne Erde  gezogen wurde.

Viele Menschen machen sich mittlerweile Sorgen, dass sie am Tag nicht ausreichend Nährstoffe zu sich nehmen. Also öfter mal Sprossen auf den Teller bringen und eine Extra-Portion Vitalität erhalten. Frischere lebendige Nahrung als noch wachsende Sprossen geht fast nicht.